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Herzneurose

Die Herzneurose oder Herzphobie ist eine Form
der Panikstörung.


Als Auslöser einer Herzphobie kommt oft ein unerwarteter
und plötzlicher Herztod und/oder eine Krankheit im
Familien-/oder Freundeskreis in Betracht. Weiterhin
können Beobachtungen am eigenen Körper,
z.B. kurzfristig auftretende Herzrhythmusstörungen
und eine Herzbeschleunigung nach ausgiebigen
Alkohol-, Drogen- und/oder Koffeineinnahme die
Phobie auslösen. Nicht zu vergessen natürlich eine evtl.
vorhandene eigene Herzerkrankung und sei sie noch
so harmlos.


Bei einer Herzneurose können die typischen Symptome
eines Herzinfarktes auftauchen, so das auch ein Arzt
ohne nähere Untersuchung dies nicht von einem
Herzinfarkt unterscheiden kann.


-Herzrasen über mehrere Minuten lang mit 140 Schlägen
in der Minute und mehr.

-Unregelmäßiger Herzschlag.
-Herzschmerzen und Herzstiche im linken Brustbereich.
-Deutlicher Anstieg des Blutdruckes.
-Hyperventilieren.
-Atemnot, starker Schwindel (in der Regel keine
Bewusstlosigkeit) und Schweißausbrüche.

-Ein starkes Beklemmungs- und Erstickungsgefühl,
das sich bis zur Todes- und Vernichtungsangst steigern kann.


Das Problem dabei ist, dass der Herzphobiker sich
diese Symptome nicht einbildet, im Gegenteil. Sie sind
für ihn sehr real und somit auch belastend. Man ist
fast immer überzeugt, eine organische Krankheit zu
haben, ein psychisches Problem wird dagegen in der
Regel von einem selbst nicht erkannt. Weiterhin glaubt
man, das die Angst durch die Symptome hervor gerufen
wird und nicht umgedreht. Im Zuge dieser ständigen
Angst vor einem Herzinfarkt und dem bevorstehenden
Tod, steht man natürlich unter ständiger Anspannung.


Die typischen Beschwerden, Gedanken und Verhaltensweisen
eines Herzphobikers sind folgende:


-Innere Unruhe und ständige Grübeleien über das
kranke Herz.

-Eine schon hypochondrische und somit krankhafte
Beobachtung der eigenen Herztätigkeit einhergehend
mit ständiger Messung des Pulsschlages und des Blutdruckes.
Hier sollte man sich immer bewusst machen, das die 9,99 Euro Blutduckmesser vom Discounter eh nicht richtig messen,
mangels fehlender Eichung. Weiterhin sollte einem klar
sein, das bei einem Panikanfall logischerweise der Blutdruck
und der Puls erhöht ist. Dieses muss nicht noch durch
ständiges Nachmessen bestätigt werden. Dadurch wird
man nur noch unruhiger.

-Die Gedanken kreisen ständig über medizinische
Sicherungsmaßnahmen, z.B.: Wo befindet sich das nächste Krankenhaus/der nächste Arzt? Ist das Handy griffbereit
um bei einem Anfall jederzeit Hilfe holen zu können?
Habe ich mein Notfallmedikament dabei?

-Schlafstörungen, weil das Herz ja aufhören könnte zu
schlagen im Schlaf. Dadurch können dann ständige
Müdigkeit, Niedergeschlagenheit, Kopfschmerzen, Magen-/Darmprobleme und eine starke Verspannung
der Muskulatur entstehen.

-Einbeziehung des Partners/der Familie in die „Herzkrankheit“ und Klammerung an den Partner/die Familie.
-Depressive Stimmung.
-Im weiteren Verlauf kommt es dann zu einem Schonverhalten
und Einschränkung der Aktivitäten mit einem zunehmenden Vermeidungsverhalten. Dieses wird auch von der Familie
erwartet, weil man ja schwer krank ist. Man macht keinen
Sport mehr und vermeidet alles was als Auslöser für
einen in Betracht kommt. Somit erreicht man aber nur,
das die Ausdauer immer schlechter wird und selbst
kleinste Belastungen, wie Treppensteigen, Müll wegbringen
etc., Herzrasen und somit wieder einen Anfall auslösen.
In einigen Fällen entwickelt man sogar eine Angst vor
der Angst.

-Ärzte-Hopping, da der Hausarzt auf jeden Fall
was übersehen hat. Man weiß es ja besser, weil die
Beschwerden da sind.



Behandlung

Wichtig ist, das durch eine einmalige gründliche internistische
und evtl. orthopädische Untersuchung bei dem Arzt des
Vertrauens, jegliche organischen Ursachen der Herzbeschwerden ausgeschlossen werden können.


Hausärzte verschreiben so genannte Benzodiazepine
wie z.B. Tafil, Tavor, Valium etc. Diese Beruhigungsmittel
wirken zwar sehr schnell, sind aber als Dauerbehandlung
nicht so gut geeignet, wegen der Möglichkeit einer Abhängigkeit.
Die Einnahme von Betablockern kann das Herzrasen/Herzstolpern natürlich einschränken und den Herzschlag regulieren,
gegen die Angst wirken sie aber nicht. Von daher sollte eine
alleinige Behandlung mit Betablockern kritisch gesehen werden.
Besonders wenn der Hausarzt keine Erfahrung mit
Angststörungen hat und das nur als kleine Herzrythmusstörung
oder ähnliches abtut.


Zur Dauereinnahme werden von Neurologen/Psychiater
meistens Antidepressiva eingesetzt, die nicht abhängig
machen und ihre Wirkung nach regelmäßiger Einnahme
relativ schnell entfalten können. In der Regel lassen die
Panikattacken mit der Zeit etwas nach und werden
als weniger heftig empfunden.


Es ist wichtig durch regelmäßigen Sport
(z.B. Walken, Joggen, Schwimmen, Fahrradfahren) wieder
zu lernen, der ordnungsgemäßen Funktion des Herzen
zu vertrauen und die Belastbarkeit des Herzen wieder
zu steigern. Dazu gehört auch zu akzeptieren, das das
Herz keine Maschine ist und somit auch mal was
unregelmäßiger schlagen kann was nicht direkt krankhaft
sein muss.


Im Zuge einer Therapie lernt der Herzphobiker das
Ablegen negativer Denkmuster und somit auftretende
Panikattacken nicht gleich als Herzinfarkt zu durchleben.
Im Falle einer Panikattacke wird einem dann bewusst,
das die Reaktionen des Körpers drauf zwar sehr
unangenehm sind, man davon aber nicht stirbt. In der
Regel verbessert sich auch das Vermeidungsverhalten,
so dass wieder eine aktive Teilnahme am Leben
möglich ist. Die Angst vor der Angst lässt nach.


Entspannungsübungen wie autogenes Training,
progressive Muskelentspannung nach Jacobsen und
Yoga sind weitere Möglichkeiten eine Verbesserung
des Zustandes zu erreichen.



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